Ercole


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Der Ercole

Schon als Jugendlicher, war der 1888 in Mailand geborene Carlo Guzzi, von Motorfahrzeugen völlig fasziniert. In Mandello-Tonzanico (später Mandello del Lario),wo Carlo Guzzi zusammen mit seinen Geschwistern aufwuchs, verbrachte er so viel Zeit wie möglich in einer kleinen Werkstatt, die sich um alles kümmerte was eine Kurbelwelle besaß. Besonders hatten es ihm schon damals die Motorräder angetan, an denen er dann auch schon bald Zuhause in seiner eigenen Werkstatt zu basteln begann.
Da der junge Carlo ein geborener Techniker und Perfektionist war, hielt er schon bald die damals existierenden Motorräder für nicht gut genug und beschloss daher, selbst ein besseres und zuverlässiges Motorrad zu bauen.



Bevor er seine Pläne umsetzen konnte, begann der erste Weltkrieg, an dem auch Carlo Guzzi als Soldat der Luftwaffe teilnahm.
Zusammen mit einem seiner Kameraden, Giorgio Parodi, gründete Carlo Guzzi dann kurz nach Ende des Kriges, also 1919, die erste eigene Motorradmarke.
Möglich wurde dies nur durch die finanzielle Unterstützung Parodis Vater.
Als Erinnerung an ihren verstorbenen Kriegskameraden, Giovanni Ravelli, wählten die beiden als Logo für ihre Marke, ein Emblem der Luftwaffe, den Adler mit augebreiteten Schwingen. Sitz der Firma war von Anfang an Mandello.



Mitte des Jahres 1920 war dann der erste Prototy des neuen Motorrades,
fertig gestellt.
Es bekam den einfachen Namen G.P. als Abkürzung für Guzzi und Parodi.
Da der einem Flugzeugmotor ähnliche, 500ccm 1-Zylinder mit Königswelle, für ein normales Motorrad zu kompliziert und zu teuer war, wurde eine vereinfachte Version ohne Königswelle und mit nur 2, statt 4 Ventilen als Antrieb für das erste Serienmotorrad Moto Guzzis verwendet.
Diese wurde dann in den ersten Monaten 1921 als Typ "Tipo Normale" auf den Markt gebracht.


Das Hauptthema im Hause Moto Guzzi sollte bis heute das Zweirad bleiben.
Jedoch wurde in der langen Geschichte der traditionsreichen Firma, auch an anderen Fahrzeugarten versucht und getüftelt.
Bereits im Jahre 1928, wurde der erste zivile Transportkarren, das Lastendreirad mit dem einfachen Namen "Typ107" von Guzzi hergestellt. Dieses hatte einen gewöhnlichen Motorrad-Vorderbau, welcher es sogar ermöglichte, es wieder zum Motorrad zurückzubauen.
Acht Jahre später, also 1936 erschien das "Modell S" mit geändertem Rahmen, Motor und einem 4-Gang Getriebe mit Rückwärtsgang anstatt des 3-Gang Getriebes vom "Typ 107".
Dieses Fahrzeug hatte bereits eine zulässige Traglast von 800 kg ausgewiesen.



Das darauf folgende Modell ER 500 wurde von 1938-1941 gebaut.
Schon deutlich massiver in der Erscheinung, erhielt es eine Parallelogrammgabel und einen stabilen Profilrahmen, der eine Zuladung von 1000 kg erlaubte. Eingebaut wurde der Motor vom Motorrad "Typ V".
3 mechanische Trommelbremsen hatten die Aufgabe, das beachtliche Gesamtgewicht von 1500 kg zum Stehen zu bringen. Dieses Dreirad hatte noch immer ein über Kette angetriebenes Differenzial unter dem blattgederten Rahmen.


Nach dem Krieg war auch in Italien die Nachfrage nach kleinen und preiswerten Transportfahrzeugen sehr groß. Schon 1946 begann Moto Guzzi wieder mit dem verbesserten Modell des Ercole in Serienfertigung zu gehen.
Der Motor hatte noch immer einen Graugusszylinder,jetzt aber einen neuen Kopf mit geschlossenen Ventilen. Eine Magnetzündung und 6 Volt Anlage, übernahmen die Elektro-Funktionen dieses Modells.
Dieses hatte jetzt eine Kardanwelle zum Differenzial, anstatt der anfälligen und wartungsreichen Rollenkette.
Beibehalten vom Vorgängermodell wurden die 3 mechanisch betätigten Trommelbremsen,welche an der Front auf ein 19 Zoll Speichenrad, am Heck auf 16 Zoll Scheibenräder wirkten.
Gestartet wurde der Motor selbstverständlich noch mit dem Kickstarter.



Ab 1955 ging Moto Guzzi mit der letzten größeren Veränderung am Lastendreirad ins Rennen. Dieses Modell erhielt jetzt hydraulisch betätigte Hinterradbremsen sowie eine 12 Volt Anlage mit elektrischem Anlasser.
Im Laufe der folgenden Jahre,gab es noch mehrere kleinere Änderungen,deren Einteilung in Baujahre jedoch unmöglich ist und stark variierte.
Ab Werk wurden jedenfalls Ausführungen verschiedenster Art ausgeliefert, vom Wassertank-Aufbau als Komunalfahrzeug zum giessen der schönen italienischen Gärten,bis hin zum Leiteraufbau.
Die Mehrheit jedoch wurde mit festem oder kippbarem Pritschenaufbau ausgeliefert.
Dieser wurde anfangs über eine Kurbelvorrichtung händisch betätigt, später hydraulisch.
Die Standard Farbe war Dunkelgrau.
Für einen zweifelhaften Komfort sorgte eine Blechkabine, die die Aufgabe hatte, den Fahrer vor Wind und Wetter zu schützen.
Als alternativer Antrieb war wahlweise sogar ein Modell mit Metangas als Treibstoff erhältlich, welches in zwei unter der Pritsche montierten Gasflaschen mitgeführt wurde.




Ob als Komunalfahrzeug, Handwerkerfahrzeug, Lastentransporter, landwirtschaftliches Fahrzeug oder beim Militär, zuverlässig verrichtete
dieses einfache, aber zuverlässige Fahrzeug über 3 Jahrzehnte,
Tag für Tag treu seinen Dienst.
Besonders die äusserst stabile Bauweise prädestinierte den Ercole für diese Benutzung. Daher stammt vermutlich auch der Name.
"Ercole" bedeutet "Herkules",dessen Kräfte uns allen bekannt sind.
Durch die sehr lange Bauzeit von 1946 bis 1979 ist auch heute noch der eine oder andere Ercole im Einsatz.
Daraus resultierend, gestaltet sich die Ersatzteilversorgung auch heute noch relativ einfach, was für uns Oldtimerfans eine Restauration oder Neuaufbau halbwegs einfach macht.


Das kleine Dreirad ''Aiace''
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Hier noch einige ebenfalls von Moto Guzzi hergestellte Lastendreiräder.


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